Licht

Licht hat das Chaos vertrieben, ganz am Anfang, so erzählt es die Bibel. Am Anfang sprach Gott: „Es werde Licht“, und es ward Licht. Ich habe meinen Drittklässler*innen die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel erzählt. Nicht um zu sagen: „Genauso ist die Welt entstanden“, sondern um sie zu fragen: „Was meint ihr, warum ist für viele Menschen diese Erzählung aus der Bibel immer noch wichtig?“ Sie sagten: „Weil Religion wichtig ist, Religion bedeutet auch fühlen können.“ Fühlen – Ja, das stimmt, denke ich. Für mich bedeutet Licht mehr, als dass es nur da ist. Es bedeutet Hoffnung und das Gefühl, nicht alleine zu sein.

Ich bin ein Fan von Kerzen. Auf den meisten Tischen in meiner Pfarrwohnung steht eine Kerze und natürlich auch in meinem Büro. Wenn ich die Kerzen anzünde, dann habe ich das Gefühl, es ist noch etwas im Raum, was ich nicht sehen, aber spüren kann: Etwa Gutes, etwas von dieser Hoffnung. Als ich noch Kind war, wollte ich immer diejenige sein, die die Kerzen auf unserem Adventskranz anzündet. Ich bin deswegen an den Adventssonntagen immer extra früh nach unten in die Küche gekommen zu unserem Esstisch, wo der Adventskranz draufstand.

Neulich erst habe ich gelesen, dass Kerzen ein besonderes Licht haben, es hat besonders viele rote Strahlen und wird deswegen von Menschen als beruhigend empfunden. Außerdem hat es sehr viele Infrarotstrahlen. Menschen spüren die Wärme und fühlen sich geborgen. Und anders als bei vielen Glühbirnen kann das menschliche Auge so lange es will direkt in die Kerzenflamme schauen. „Kenn ich“, dachte ich mit einem Lächeln. Es ist die perfekte Erklärung, warum ich Kerzen so liebe, aber nicht die ganze.

Der Rest von der Erklärung hat auch etwas mit Weihnachten zu tun.

„Das Volk, das noch im Finstern wandelt sieht ein großes Licht“, so heißt es beim Propheten Jesaja.

Dass in der Dunkelheit ein Licht aufscheint ist ein so kraftvolles Bild und es lehrt mich mehrere Dinge gleichzeitig: Egal wie dunkel es ist, schon ein kleines Licht reicht, um es hell zu machen, es vertreibt die Furcht. Egal wie tief wir in der Krise stecken, es gibt Hoffnung. Manchmal erscheint die Weihnachtsgeschichte wie aus einer fernen Zeit, aber in Wirklichkeit geschieht sie immer wieder neu. Ihr Licht kann ich sehen und fühlen und Fühlen ist wichtig, wie meine Drittklässer*innen sagen würden.

2 Kommentare zu „Licht

  1. Liebe Frau Büttner, Ihr Beitrag zum „Licht“ hat mich sehr berührt. Ich danke Ihnen dafür. Vielleicht können wir uns im kommenden Jahr mal persönlich kennenlernen, wenn wir unsere Offenbacher Freundinnen, Ilke und Manju, besuchen. Herzliche Grüße aus dem verschneiten Vogtland.
    Brigitte Asendorf

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  2. Danke! Anke Evangelische Kirchengemeinde Bieber Anke Weiß, Gemeindepädagogin Aschaffenburger Str. 52 63073 Offenbach a. M. Tel.: 069-27299524

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